MU-SIK

Als im Sommer 1986 plötzlich ein altes Eichenholzwandklavier in unserer Erdgeschosswohnung eintraf, war alles vorbei. Die nie endende Suche nach Orientierung meiner ersten 6 Lebensjahre fand endlich.. einen Neuanfang an den 88 schwarzen und weißen Tasten. So begann ich zu spielen, was andere nicht hörten. Zumindest immer dann, wenn mein Bruder mich ließ. Es folgten autodidaktische Jahre des Gehörtraining, ohne eine müde Minute in Noten zu verschwenden. Das fand dann meine Klavierlehrerin im Wahlunterricht am Gymnasium nicht so lustig. Ich sie auch nicht. So beschloss ich den Unterricht frühzeitig und im Halbjahr zu beenden, während meine Mitschüler noch eifrig bis in den Sommer ihren nie gegebenen Gesangsgaben im Schulchor nachgingen. Das sollte der erste und einzige Kontakt zum Musikunterricht sein. Das restliche Halbjahr malte ich mir ohne meine Freunde meine steile Karriere im Musikbusiness aus – mit einem Weizenhalm im Mund auf der Wiese des Stadtparks. Es folgten Jahre voller Harmonien, Dissonanzen, wiederholende Sequenzen oder falls nichts half, heftige Transponierungen mit pompösen Finalen.

e-moll auf venen

Auch am Klavier. Und ohne, dass ich wusste, dass sie so heißen.

So kam es dann, exakt wie mit 10 geplant, knapp 7 Jahre später, dass ich anfing zu tanzen und elektronisch diverse Musik-Mixe erschuf, auf die ich dann wiederum tanzte. Verrückt. Ich tanzte alles mögliche, was sich bei 3 nicht verstecken konnte. Auch um vier. Latein, Standard, Hip-Hop, Jazz und Salsa.

Dann sang ich. In diversen Bands und solo.

Und schrieb. Auf deutsch am liebsten, englisch und türkisch.

Und produzierte. Mich selbst und viele andere Musiker in diversen Stilen.

Doch Deutsch-Soul und Türkisch-Pop sind an mir selbst hängen geblieben. Gesellschaftskritisch, selbstverwirklichend, liebevoll oder in Feierstimmung. Egal.

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